Visa plant Krypto-Zahlungen aus Wallets ohne eigene Karte
Visa und der Zahlungsinfrastrukturanbieter Mesh wollen Krypto- und Stablecoin-Guthaben aus teilnehmenden Wallets an mehr als 175 Millionen Händlerstandorten nutzbar machen – ohne separate Zahlungskarte. Mesh soll Finanzierung und Umwandlung bei der Transaktion übernehmen, während Händler weiterhin Zahlungen über die bestehende Visa-Infrastruktur erhalten.
Die angekündigte Integration zielt auf Einkäufe in Geschäften und im Onlinehandel in mehr als 200 Ländern und Territorien. Für Nutzer entfällt damit der Umweg, Guthaben vor dem Bezahlen auf ein Bankkonto zu übertragen oder dafür eine eigene Karte zu beantragen.
So soll die Wallet-Zahlung funktionieren
In teilnehmenden Wallet-Apps soll im Hintergrund ein Visa-Zahlungs-Credential bereitgestellt werden. Kunden können damit an üblichen kontaktlosen Terminals bezahlen oder über unterstützte Anwendungen online einkaufen.

Bei jeder Transaktion soll Mesh die Finanzierung organisieren und unterstützte Krypto-, Stablecoin- oder Fiat-Guthaben heranziehen. Die notwendige Umwandlung erfolgt im Zahlungsprozess; Händler erhalten ihre Zahlung über das bestehende Visa-Netzwerk und sollen weder neue Hardware installieren noch ihre Kassenabläufe ändern müssen.
Wallet-Anbieter können den Dienst über eine einzelne Mesh-Integration einbinden. Mesh übernimmt nach der Vereinbarung außerdem das Onboarding und die Know-Your-Customer-Prüfungen, also die Identitätskontrollen, die Finanzdienstleister zur Kundenprüfung durchführen. Der Ansatz knüpft an eine Entwicklung an, bei der Zahlungsfunktionen direkt in Apps und programmierbare Wallets integriert werden.
Wallet-Integration statt eigener Krypto-Karte
Der Unterschied zu klassischen Krypto-Kartenprogrammen liegt im Zugang: Teilnehmende Plattformen sollen Zahlungen aus Wallet-Guthaben ermöglichen, ohne für jedes Wallet eine eigene Karte auszugeben. Händler bleiben auf der gewohnten Annahmeseite des Visa-Netzwerks; die Umwandlung in die für die Abwicklung erforderliche Zahlungsform übernimmt Mesh.
Die Partnerschaft verbindet damit Guthaben aus digitalen Wallets mit einer bereits etablierten Händlerinfrastruktur. Visa bezifferte sein Zahlungsvolumen im Geschäftsjahr 2025 auf 14,2 Billionen US-Dollar. Die Reichweite des Netzwerks ist erheblich, doch für die praktische Nutzung zählt zunächst, welche Wallet-Anbieter den Dienst tatsächlich einbinden.

Visa hatte im September mitgeteilt, dass weltweit mehr als 160 Stablecoin-Kartenprogramme aktiv seien. Das Zahlungsvolumen dieser Programme sei gegenüber dem Vorjahr um nahezu 200 Prozent gestiegen; das Stablecoin-Abwicklungsgeschäft habe auf annualisierter Basis mehr als 20 Milliarden US-Dollar erreicht. Die Mesh-Integration setzt an einem anderen Punkt an als eine Karte, die an ein einzelnes Programm gebunden ist: Sie soll Zahlung aus den Guthaben teilnehmender Wallets ermöglichen.
Im Januar hatte Visa außerdem eine Partnerschaft mit Mercuryo vorgestellt. Berechtigte Nutzer können darüber Kryptowährungen in Fiat umwandeln und den Erlös über Visa Direct auf Visa-Debit- oder Kreditkarten übertragen. Auch Mastercards Verbindung von Stablecoins und Zahlungsdiensten zeigt, dass etablierte Netzwerke unterschiedliche Wege zur Einbindung digitaler Guthaben verfolgen.
Rollout-Details stehen noch aus
Mesh-Mitgründer und CEO Bam Azizi beschrieb die letzte Zahlungsstrecke als zentrale Hürde für Krypto im Alltag. Die Infrastruktur seines Unternehmens solle Guthaben zum Zeitpunkt des Bezahlens finanzieren und umwandeln, sodass Nutzer vor dem Einkauf keine Mittel zwischen Konten verschieben müssen.
Visas Global Head of Growth, Rubail Birwadker, erklärte, die Zusammenarbeit solle Verbrauchern mehr Möglichkeiten eröffnen, digitale Vermögenswerte über etablierte Zahlungsdienste zu verwenden. Mesh zufolge soll die Integration außerdem Guthaben aus mehreren teilnehmenden Wallets über dasselbe Händlernetz zugänglich machen.
Die Unternehmen haben noch keinen Starttermin und keine teilnehmenden Wallets oder unterstützten Geräte bekannt gegeben. Auch welche Kryptowährungen und Stablecoins beim Start eingesetzt werden können, ist bislang nicht veröffentlicht; Mesh will weitere Angaben vorlegen, sobald die Rollout-Planung abgeschlossen ist.