Securitize startet Aktien-Token auf Solana – so funktioniert das Modell
Securitize startet tokenisierte US-Aktien auf Solana. Die Produkte sollen laut einem Bericht von Bitcoin.com 1:1 durch zugrunde liegende Aktien gedeckt sein und anwendbare wirtschaftliche Rechte wie Dividenden und Stimmrechte erhalten, sofern diese verfügbar sind. Abgewickelt wird in USDC – entscheidend ist damit nicht allein der Zugang zu längeren Handelszeiten, sondern die rechtliche und operative Struktur hinter den Token.
Die Primärquelle bezeichnet das Angebot als zwölf Aktien, führt im sichtbaren Text allerdings nur elf Ticker auf. Genannt werden Apple, Microsoft, Nvidia, Google, Tesla, Meta, Amazon, Netflix, Circle, SPCX und Strategy beziehungsweise MSTR; eine zwölfte Position lässt sich aus dieser Liste nicht verlässlich ableiten.
Was hinter den Aktien-Token steckt
Das Angebot heißt Securitize Stocks und soll zunächst über die registrierte Broker-Dealer-Plattform des Unternehmens gehandelt werden. Zugang erhalten berechtigte Anleger in den USA, der Europäischen Union und weiteren zugelassenen Rechtsordnungen – jeweils unter den geltenden KYC-, AML- und Wertpapierrechtsvorgaben. Der Handel beginnt während verlängerter Marktzeiten; eine Verfügbarkeit rund um die Uhr ist ein längerfristiges Ziel, keine bereits aktive Funktion.
Rechtlich handelt es sich laut Bericht um sogenannte Security Entitlements nach Artikel 8 des Uniform Commercial Code (UCC), dem US-amerikanischen Handelsgesetzbuch für bestimmte Wertpapieransprüche. Die Token stehen demnach nicht automatisch für eine direkte Eintragung des Anlegers im Aktienregister. Die zugrunde liegenden Aktien sollen nicht verliehen werden; wenn der jeweilige Emittent es unterstützt, könnte ein Token später in direkten, beim Transferagenten geführten Besitz umgewandelt werden. Securitize bezeichnet das Modell als „convertible entitlement token“ (CET), also als umwandelbaren Anspruchstoken.
Damit unterscheidet sich der Ansatz zumindest in seiner beschriebenen Konstruktion von synthetischen Produkten, die lediglich einen Aktienkurs nachbilden. Die behauptete 1:1-Unterlegung und die Berücksichtigung anwendbarer Dividenden- und Stimmrechte sollen die Verbindung zur zugrunde liegenden Aktie stärken. Das ist auch für den Vergleich mit tokenisierten Wertpapieren ohne direkte Anlegerrechte relevant: Der Begriff „Tokenisierung“ allein sagt noch nicht aus, welche Ansprüche ein Anleger tatsächlich hält.
Regulierte Distribution statt bloßer 24/7-Verfügbarkeit
Securitize erwartet, dass die Aktien später auch auf dem geplanten digitalen Handelsplatz der New York Stock Exchange verfügbar werden. Eine Aufnahme in das OKXICE Tokenized Securities Venue ist ebenfalls vorgesehen. Beide Wege hängen jedoch davon ab, dass die Plattformen starten und die jeweils geltenden regulatorischen Anforderungen erfüllen. Ripple Prime will den Start unterstützen und prüft laut Bericht eine mögliche Einbindung in sein institutionelles Handelsökosystem.
Der Unterschied zu einem reinen Krypto-Handelsangebot liegt damit in der angestrebten Verbindung aus reguliertem Brokerage, realen Aktien, Marktliquidität und blockchainbasierter Abwicklung. Auch das geplante OKXICE-Angebot für tokenisierte Aktien steht für den Versuch, solche Produkte über zusätzliche Handelswege zu verbreiten. Die Verfügbarkeit auf mehreren Plattformen ist allerdings noch eine Erwartung und keine bereits umgesetzte Marktstruktur.
Liquidität und Abwicklung bleiben der Praxistest
Für die anfängliche Liquidität soll Securitizes Solana-basierter PropAMM sorgen; Jump Trading übernimmt die Market-Maker-Rolle. Das Unternehmen beschreibt PropAMM als Liquiditätsinfrastruktur für den Handel auf Solana. In der Primärquelle hebt ein Sprecher von Jump die Möglichkeit enger Spreads, tiefer Liquidität und transparenter Preisfindung in Onchain-Märkten hervor. Ob diese Eigenschaften bei den neuen Aktien-Token dauerhaft erreicht werden, muss sich im tatsächlichen Handelsgeschehen zeigen.

USDC-Abwicklung verbindet die Wertpapierseite mit einer blockchainbasierten Zahlungsseite. Das ähnelt dem Grundgedanken einer gekoppelten Abwicklung von Vermögenswert und Zahlung, ohne dass daraus automatisch ein durchgängiger Onchain-Prozess für sämtliche Marktteilnehmer folgt. Für die institutionelle Nutzung zählen neben der technischen Ausführung auch Verwahrung, regulatorische Zuständigkeiten und die konkrete Durchsetzbarkeit der Anlegerrechte.
Der Securitize-Vorsitzende und CEO Carlos Domingo beschreibt das Angebot als Brücke zu einer Zukunft, in der Emittenten selbst direkt an der Tokenisierung teilnehmen können. Nick Ducoff von der Solana Foundation betont in seiner Einschätzung die Kombination realer Wertpapiere und Aktionärsrechte mit schneller Blockchain-Infrastruktur. Der zentrale nächste Schritt ist nun nicht ein angekündigter 24/7-Modus, sondern dessen Umsetzung: Erst wenn die geplanten Handelsplätze starten, die Regeln greifen und die Liquidität trägt, wird sich zeigen, ob Securitize mehr als eine tokenisierte Abbildung bestehender Aktienmärkte geschaffen hat.