Binance im Sanktions-Check: Greifen verschärfte Kontrollen?
US-Bundesstaatsanwälte untersuchen laut einem Bloomberg-Bericht vom 22. September, ob Binance wissentlich bestimmte Iran-bezogene Transaktionen zuließ, die gegen US-Sanktionen verstießen. Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig verifizieren, und eine Untersuchung ist weder eine Anklage noch ein festgestellter Verstoß.
Das Manhattan U.S. Attorney’s Office führt die gemeldete Untersuchung, die Criminal Division des Justizministeriums beteiligt sich. Für Binance ist das keine neue Erfahrung: Die Börse zahlte bereits 2023 eine Rekordstrafe wegen ähnlicher Vorwürfe, und die aktuelle Prüfung stellt direkt die Wirksamkeit der seither verschärften Kontrollen infrage.
Im Fokus stehen Binances Compliance-Kontrollen
Ermittler prüfen laut dem Bericht Binances Compliance-Kontrollen und die Frage, ob die Börse von den untersuchten Transaktionen wusste. Welche konkreten Transaktionen dabei im Zentrum stehen und wann die Untersuchung begann, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Parallel dazu läuft ein separates Verfahren: Am 14. September reichte der Southern District of New York eine Zivilverfallsklage ein, die auf USDT im Wert von rund 61 Millionen Dollar in zehn Krypto-Adressen zielt. Die Klage behauptet, die Mittel stammten aus dem Schwarzmarkt für iranisches Rohöl und sollten iranische Regierungs- und Militärorgane, darunter die Revolutionsgarde IRGC, finanzieren. Zwei Unternehmen, Blessed Trust und Hexa Whale, sollen dafür Binance-Handelskonten genutzt haben – die Klage selbst wirft Binance aber kein Fehlverhalten vor und bleibt unbewiesen, solange kein Gericht zugunsten der Regierung entscheidet.
Vorgeschichte: Das 4,3-Milliarden-Dollar-Schuldeingeständnis
Binance bekannte sich im November 2023 zu Verstößen gegen den Bank Secrecy Act, zum Betrieb eines nicht registrierten Geldtransfergeschäfts und zum International Emergency Economic Powers Act schuldig. Die Börse stimmte einer strafrechtlichen Geldstrafe von 4,316 Milliarden Dollar zu, nachdem das Justizministerium festgestellt hatte, dass zwischen Januar 2018 und Mai 2022 mehr als 898 Millionen Dollar an Handelsvolumen zwischen US-Nutzern und gewöhnlich im Iran ansässigen Nutzern entstanden waren.
Teil der Vereinbarung war ein unabhängiger Compliance-Monitor für drei Jahre sowie verbesserte Geldwäsche- und Sanktionssysteme. Bereits im März 2026 berichtete crypto.news über geplante parlamentarische Kontrolle durch die Senatoren Elizabeth Warren, Chris Van Hollen und Ruben Gallego zu einer gemeldeten Iran-bezogenen Untersuchung – ein Vorlauf, der zeigt, dass das Thema politisch bereits vor dem aktuellen Bloomberg-Bericht auf dem Tisch lag. Die regulatorische Unsicherheit rund um US-Kryptoanbieter, wie sie etwa der Clarity Act adressieren soll, bildet dafür den größeren Rahmen.
Binance verweist auf Nulltoleranz
Binance erklärt, eine Nulltoleranzpolitik bei Sanktionsverstößen zu verfolgen. Das Unternehmen teilte mit: „We fully cooperate with law enforcement, and we remain committed to rooting out and shutting down bad actors.“
Nach eigener Darstellung entfernte Binance Hexa Whale am 13. August 2025 und Blessed Trust im Januar 2026 von der Plattform, nachdem Behörden im April 2025 auf mögliche Terrorismusfinanzierung hingewiesen hatten. Die Börse betont zudem, mehr als 1.500 Mitarbeiter in Compliance-Funktionen zu beschäftigen, 2025 über 71.000 Behördenanfragen bearbeitet zu haben und ihr Engagement mit vier großen iranischen Krypto-Börsen um 97,3 Prozent – von 4,19 Millionen auf 110.000 Dollar – reduziert zu haben. Diese Zahlen stammen aus der eigenen internen Prüfung des Unternehmens und wurden bislang nicht von einem Gericht bestätigt.
Was jetzt folgt
Im Kern geht es um die Frage, ob die nach 2023 eingeführten Sanktions- und Geldwäschekontrollen in der Praxis tatsächlich greifen. Das vorliegende Material belegt weder eine neue Strafe noch eine Anklage gegen Binance – die Untersuchung bleibt vorerst eine Prüfung.
Der separate Verfallsstreit im Southern District of New York läuft derweil parallel weiter, wobei die Regierung beantragt, die bezeichneten USDT dauerhaft zu behalten. Als nächste belastbare Anhaltspunkte kommen der Fortgang dieser Zivilklage sowie mögliche weitere behördliche Stellungnahmen infrage.
Quelle: crypto.news