Neue Fed-Sorgen setzen Bitcoin und Märkte unter Druck
Bitcoin fiel im asiatischen Handel nahe 80.000 US-Dollar und notierte anschließend wieder bei rund 81.000 Dollar, während der südkoreanische KOSPI um 8 Prozent einbrach. Auslöser der breiten Risikoaversion waren neue Sorgen über eine mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve nach stärker als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten; zugleich drehten die Flüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs ins Minus.
Die Marktdaten und Einschätzungen stammen aus einem am 14. Oktober veröffentlichten und am 15. Oktober aktualisierten Bericht von CoinDesk. Sie zeigen, wie schnell sich die Neubewertung der US-Zinsperspektive auf Aktien und digitale Vermögenswerte übertrug: Der kurzfristige Kursdruck bei Bitcoin fiel mit schwächerem Risikoappetit über mehrere Anlageklassen hinweg zusammen.
Bitcoin fällt unter 81.000 Dollar, während der KOSPI einbricht
Bitcoin lag laut CoinDesk zum Erhebungszeitpunkt bei 81.211,60 Dollar und damit rund 1 Prozent unter dem Stand von Mitternacht UTC. Im frühen asiatischen Handel war der Kurs zunächst in die Nähe von 80.000 Dollar gerutscht, hatte sich kurzzeitig auf etwa 81.500 Dollar erholt und anschließend wieder nahe 81.000 Dollar festgesetzt. Auf Sicht von 24 Stunden betrug das Minus mehr als 2 Prozent.
Der Rückgang beschränkte sich nicht auf Bitcoin: Ether, XRP und Solana verloren im selben Marktfenster jeweils etwa 3,5 bis 4 Prozent. Auch an den Aktienmärkten nahm der Verkaufsdruck zu. Nasdaq-Futures lagen 1 Prozent tiefer, nachdem der Index am vorherigen Handelstag bereits 2 Prozent verloren hatte; der KOSPI fiel um 8 Prozent und löste sogenannte Circuit Breakers aus – automatische Handelsunterbrechungen, die starke Kursausschläge vorübergehend abbremsen sollen.
Für den Zusammenhang zwischen Bitcoin und asiatischen Aktien ist damit nicht nur die Gleichzeitigkeit der Verluste relevant. Beide Märkte reagierten auf ein Umfeld, in dem die Aussicht auf höhere Finanzierungskosten die Risikobereitschaft belastete. Bitcoin und der KOSPI standen bereits im Fokus, als sich die Bewegungen an den Märkten überschnitten.
Inflationsdaten verändern die Erwartungen an die Fed
Die US-Verbraucherpreise stiegen im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Auch die Kerninflation, die Energie und Lebensmittel ausklammert, beschleunigte sich: Sie erreichte 2,6 Prozent nach 2,4 Prozent im Vormonat. Die Zahlen entfachten erneut die Sorge, dass die Federal Reserve die Zinsen noch im Oktober anheben könnte.
Die Markterwartungen änderten sich unmittelbar nach der Veröffentlichung und pendelten sich anschließend niedriger ein. Auf Polymarket stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung zunächst kurzzeitig auf nahezu 50 Prozent und sank danach auf etwa 30 Prozent. Das CME FedWatch Tool zeigte ein ähnliches Muster: Dort sprangen die eingepreisten Chancen zunächst von rund 22 auf fast 47 Prozent, bevor sie zum Berichtszeitpunkt auf 26 Prozent zurückgingen.
Parallel dazu erwies sich die institutionelle Nachfrage als wenig stabil. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 14. Oktober Abflüsse von 150,5 Millionen Dollar. Am Vortag hatten sie noch 175,7 Millionen Dollar an Zuflüssen verbucht. Der abrupte Wechsel macht deutlich, dass ein einzelner positiver Handelstag noch keine verlässliche Trendwende bei den ETF-Flüssen belegt.
Die Kombination aus steigenden Inflationsrisiken und nachlassenden ETF-Zuflüssen kann die Liquidität und den Risikoappetit belasten. Das heißt nicht, dass die ETF-Abflüsse allein den Bitcoin-Rückgang erklären: Im selben Zeitfenster gerieten auch Aktien unter Druck, während die geldpolitische Unsicherheit die Bewertung riskanter Anlagen insgesamt erschwerte. ETF-Abflüsse bei Bitcoin bilden dabei einen wichtigen, aber nicht isoliert zu betrachtenden Teil des Marktbilds.
Fragile Liquidität hält den Risk-off-Druck aufrecht
Vikram Subburaj, CEO der indischen Börse Giottus, verwies laut CoinDesk auf den erneuten Inflationsanstieg und die damit verbundene Unsicherheit über den nächsten Schritt der Fed. Zusätzlich hob er die fragilen institutionellen Zuflüsse hervor. Seine Einordnung verbindet somit zwei Faktoren, die im Berichtszeitraum gleichzeitig sichtbar waren: eine unsichere Zinsperspektive und die Umkehr der ETF-Flüsse.
Auch STS Digital beschrieb die Unklarheit über die nächste Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC), des geldpolitischen Ausschusses der Fed, als Belastung für Liquidität und Risikoappetit über verschiedene Anlageklassen hinweg. Anderson von STS Digital rechnete dennoch damit, dass die Fed die Zinsen im Oktober unverändert lässt. Dazu passte die damalige Preisbildung am CME, die für einen unveränderten Zinssatz eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent auswies.
Im Kryptomarkt fiel der Druck breiter aus als bei Bitcoin allein: Ether, XRP und Solana gaben ebenfalls deutlich nach. PYTH war laut dem Bericht der einzige Token unter den 100 größten Kryptowährungen, der zu diesem Zeitpunkt noch mehr als 7 Prozent im Plus lag. Die Daten zeigen damit eine überwiegend schwache Marktbreite, aber auch, dass der Rückgang nicht jeden größeren Token gleich traf.
Für die nächsten Handelstage bleiben die Neubewertung der Fed-Erwartungen und die Entwicklung der ETF-Flüsse zentrale Messpunkte. Hinzu kommt die Frage, ob sich die Liquidität stabilisiert und Bitcoin auf weitere Makrodaten weiterhin so empfindlich reagiert wie im beschriebenen Zeitfenster. Die nächste Sitzung des FOMC ist dabei der konkrete geldpolitische Entscheidungspunkt; bis dahin können Inflationssignale und Marktpreise die Zinserwartungen erneut verschieben.