Digitaler Euro: EZB plant Pilot ab 2027 – Ausgabe offen

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Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärt, die EZB bereite einen digitalen Euro für alltägliche Zahlungen vor. Er soll Bargeld ergänzen und Innovation sowie Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr stärken – ein konkreter Starttermin ist damit jedoch nicht genannt.

Die Einordnung ist für den Markt relevant, weil Lagarde öffentliche und private Zahlungslösungen nebeneinander sieht. Sie beschreibt damit ein Zielbild für den Retail-Payment-Markt, nicht bereits eine feststehende Einführung oder einen belegten Rückgang der Nachfrage nach Stablecoins.

Inflation bleibt im Hintergrund der EZB-Aussage

Lagarde äußerte sich laut Cointelegraph bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Samstag, dem 17. Oktober. Dabei verwies sie auch auf die konjunkturelle Lage im Euroraum und die jüngste Teuerung.

Christine Lagarde bei der Université d'été du MEDEF 2009
Christine Lagarde – Foto: MEDEF / CC BY-SA 2.0

Die Inflationsrate lag im September bei 3,8 Prozent. Hohe Energiekosten hätten maßgeblich dazu beigetragen; die EZB erwartet, dass dieser Preisdruck im kommenden Jahr nachlässt. Zugleich könnte ein Energieschock die Inflation bis ins erste Halbjahr 2027 über dem EZB-Ziel halten. Eine maßvolle geldpolitische Reaktion bleibt nach Lagardes Darstellung angemessen.

Der digitale Euro ist dabei kein Instrument, das kurzfristig die Inflationsentwicklung verändert. Lagardes Aussagen verknüpfen vielmehr zwei Themen: die geldpolitische Einschätzung und die längerfristige Weiterentwicklung der europäischen Zahlungsinfrastruktur.

Vorbereitung, Pilot und mögliche Ausgabe sind getrennte Schritte

Die Planung läuft bereits über mehrere Jahre. Nach Angaben der EZB begann die Untersuchungsphase im Oktober 2021 und endete im Oktober 2023. Darauf folgte von November 2023 bis Oktober 2025 die Vorbereitungsphase, in der technische Entwicklung und Regelwerk im Mittelpunkt standen.

Auch die rechtliche Grundlage ist noch ein eigener Schritt. Die Europäische Kommission legte im Juni 2023 einen Verordnungsentwurf vor; laut den verfügbaren Projektangaben haben Rat der EU und Europäisches Parlament inzwischen Positionen erarbeitet, während die Verhandlungen zwischen den Institutionen weiterlaufen. Ein politisches Ziel oder ein Projektplan ist nicht mit einer endgültigen Entscheidung über die Ausgabe gleichzusetzen.

Für die zweite Hälfte 2027 ist ein zwölfmonatiger Pilot vorgesehen. Eine mögliche erste Ausgabe wird für 2029 angestrebt, sofern die Verordnung bis Ende 2026 verabschiedet wird; selbst dann wäre die Ausgabe noch eine separate politische Entscheidung. Damit liegt zwischen Lagardes aktueller Beschreibung der Vorbereitung und einem möglichen Einsatz im Alltag ein mehrstufiger Prozess.

Wettbewerb mit privaten Anbietern ist noch Zukunftsthema

Lagarde stellt den digitalen Euro als digitale Ergänzung zu Bargeld dar, die nach ihrer Einschätzung Innovation und Wettbewerb bei alltäglichen Zahlungen fördern soll. Das Nebeneinander öffentlicher und privater Lösungen verbindet sie mit Europas strategischer Autonomie im Zahlungsverkehr. Daraus folgt jedoch nicht, dass bestehende Anbieter oder bestimmte Stablecoins bereits Marktanteile verlieren.

Eine Person hält ein Smartphone über ein kontaktloses Bezahlterminal.
Foto: Jonas Leupe / Unsplash

Private Stablecoins gehören zum weiteren Wettbewerbsumfeld. Ob ein digitaler Euro später die Nutzung solcher Token beeinflusst, hängt unter anderem von seiner konkreten Ausgestaltung, Zugänglichkeit und Akzeptanz ab; die vorliegenden Aussagen belegen noch keinen solchen Effekt.

Davon abzugrenzen ist Pontes: Die EZB beschreibt diese Infrastruktur als Möglichkeit für Finanzinstitute, tokenisierte Wholesale-Asset-Transaktionen in Zentralbankgeld abzuwickeln. Die vollständige Umsetzung wird bis 2028 erwartet. Pontes betrifft damit die Abwicklung im institutionellen Markt und ist nicht mit dem geplanten digitalen Euro für Zahlungen im Alltag gleichzusetzen.

Die nächsten überprüfbaren Meilensteine sind der Abschluss der EU-Verhandlungen, die formelle Verabschiedung der Regulierung und der geplante Pilot ab der zweiten Hälfte 2027. Erst danach lässt sich anhand praktischer Tests genauer beurteilen, welche Rolle der digitale Euro neben Bargeld, Banken und privaten Zahlungsangeboten einnehmen kann.

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