24/7-Handel tokenisierter Aktien stößt an Liquiditätsgrenzen

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt, dass tokenisierte Aktienmärkte weniger liquide und deutlich volatiler sind als traditionelle Vergleichsmärkte. Der Handel rund um die Uhr erweitert zwar den Zugang, beseitigt aber weder das Risiko schlechter Ausführungen noch mögliche Slippage bei dünnen Orderbüchern.

Die Analyse des IWF, veröffentlicht am Donnerstag, 8. Oktober 2026, zeigt damit die Lücke zwischen dem Effizienzversprechen der Tokenisierung und der aktuellen Marktstruktur. Für Anleger ist nicht allein entscheidend, dass ein Token jederzeit handelbar ist: Ebenso wichtig ist, ob zum gewünschten Preis ausreichend Gegenseite vorhanden ist.

Das Hauptgebäude des Internationalen Währungsfonds unter blauem Himmel in Washington, D.C.
Hauptsitz des Internationalen Währungsfonds in Washington, D.C. – Foto: AgnosticPreachersKid / CC BY-SA 3.0

Mehr Handel außerhalb der Börsenzeiten, aber höhere Risiken

Tokenisierte Aktien wiesen der Untersuchung zufolge ungefähr die 1,5-fache realisierte Volatilität ihrer traditionellen Pendants auf und waren zugleich deutlich weniger liquide. Mehr als die Hälfte des Handels fand außerhalb der regulären US-Börsenzeiten statt; rund 80 Prozent der Transaktionen umfassten weniger als eine Aktie. Das unterstreicht den Nutzen des fraktionierten Zugangs, sagt aber wenig über die Tiefe des Marktes aus, wenn größere Orders ausgeführt werden müssen.

Der ausstehende Wert tokenisierter Real-World Assets (RWAs), also tokenisierter realer Vermögenswerte, lag im Juli bei rund 65 Milliarden US-Dollar. Auf tokenisierte Aktien entfielen davon etwa 2,3 Milliarden US-Dollar. Damit bleibt das Segment klein gegenüber den traditionellen Kapitalmärkten; laut IWF erschweren zudem mangelnde Interoperabilität und das Fehlen allgemein akzeptierter Abwicklungswerte eine breitere Expansion. Der geplante 24/7-Handel mit tokenisierten Aktien macht diese strukturelle Frage besonders relevant.

Repo-Volumen zeigt die Größenordnung der Lücke

Tokenisierte Repo-Geschäfte dominierten die Handelsaktivität in tokenisierten Märkten und erreichten laut Bericht durchschnittlich 300 bis 350 Milliarden US-Dollar tägliches Volumen. Im breiteren US-Repo-Markt werden dagegen rund 13 Billionen US-Dollar pro Tag gehandelt. Der Vergleich macht deutlich, dass selbst ein hoher Umsatz innerhalb des tokenisierten Segments noch keine vergleichbare Marktbreite bedeutet.

Ein digitaler Finanzchart mit Candlesticks und Marktdaten auf einem dunklen Bildschirm
Finanzmarktdaten und Kurscharts auf einem Handelsbildschirm – Foto: Tötös Ádám / Unsplash

Bei den ausstehenden tokenisierten RWAs entfielen 30,4 Milliarden US-Dollar auf Kreditprodukte und 17,5 Milliarden US-Dollar auf Geldmarktfonds. Die Tokenisierung umfasst damit unterschiedliche Anlageklassen, deren Rechte und Marktmechanik nicht mit klassischen Aktien gleichgesetzt werden sollten. Auch tokenisierte Notes bilden nicht automatisch dieselben Ansprüche oder dieselbe Liquidität wie börsengehandelte Aktien ab.

Rechtliche Unsicherheit und Risiken für die Finanzstabilität könnten die Einführung zusätzlich bremsen. Zugleich bewertet der IWF die systemischen Risiken derzeit als begrenzt, weil die Verbreitung im Verhältnis zu traditionellen Märkten noch gering ist. Entscheidend ist deshalb weniger das aktuelle Gesamtvolumen als die Frage, wie sich die Risiken verändern, wenn Handelsplätze und Finanzinstitute stärker miteinander verflochten werden.

Wachstum braucht belastbare Marktregeln

Mit wachsender Vernetzung und mehr Hebelwirkung könnten sich bekannte Risiken verstärken: Notverkäufe, Liquiditätsengpässe und Ansteckung zwischen Märkten. Der IWF fordert deshalb klarere rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, mehr Interoperabilität zwischen tokenisierten und traditionellen Finanzsystemen sowie Schutzmechanismen gegen neue Verwundbarkeiten.

Der Nutzen des erweiterten Handelsfensters ist dennoch nicht nur theoretisch. Laut der Analyse tauchten nächtliche Kursbewegungen tokenisierter Aktien kurz nach Öffnung der US-Märkte auch in den traditionellen Aktienpreisen auf. Das kann zusätzliche Preissignale liefern, ersetzt aber keine ausreichend tiefe Liquidität.

Für Anleger bleibt damit ein klarer Zielkonflikt: 24/7-Zugang und kleinere Stückelungen erhöhen die Flexibilität, während dünnere Märkte Ausführung und Preisbildung anfälliger machen. Technische Abwicklungsmodelle wie eine atomare Lieferung gegen Zahlung können bestimmte Abwicklungsrisiken begrenzen, lösen aber nicht automatisch das Liquiditätsproblem. Eine breitere Nutzung hängt daher davon ab, ob rechtliche Klarheit, verlässliche Abwicklungswerte und die Verbindung zu traditionellen Märkten mit dem Wachstum Schritt halten.

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