Gesperrte USDT: Conduit fordert Millionen von Tether zurück
Conduit Technology verklagt Tether wegen 2,76 Mio. USDT, die der Stablecoin-Emittent seit September 2025 gesperrt haben soll. Der Fall zeigt ein zentrales Kontrahentenrisiko für Unternehmen: Die Kontrolle über das eigene Wallet schließt einen Eingriff des Emittenten nicht aus. Conduit wirft Tether vor, die Sperre ohne nachvollziehbare Begründung veranlasst zu haben.
Die Klage wurde laut der Berichterstattung von Bitcoin.com News vor einem Bundesgericht eingereicht. Tethers Stellungnahme lag dem Bericht zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht vor; die Vorwürfe sind damit nicht gerichtlich festgestellt.
Conduit klagt wegen gesperrter 2,76 Mio. USDT
Nach Darstellung der Klage sperrte Tether die Gelder am 24. September 2025. Conduit zufolge hatte die brasilianische Polizei Tether nicht aufgefordert, die Treasury-Wallet des Unternehmens einzufrieren. Stattdessen soll Tethers T3 Financial Crime Unit die Adresse anhand eigener Kriterien ausgewählt haben, die Conduit zufolge nicht offengelegt wurden.
Die Wallet wurde im Mai 2025 über den Verwahrungsdienst Fireblocks eingerichtet und diente Conduit als Betriebskapital. Vor der Sperre liefen darüber 4.427 Transaktionen mit 78 Gegenparteien und einem Gesamtvolumen von mehr als 1,1 Mrd. US-Dollar. Am 6. Oktober 2026 hielt die betreffende Tron-Adresse laut Bitcoin.com News rund 2,756 Mio. USDT sowie etwa 33 US-Dollar in TRX.
Die technische Möglichkeit eines solchen Eingriffs ist für USDT-Nutzer keine abstrakte Frage: USDT-Guthaben können durch eine Sperre des Emittenten unzugänglich werden, auch wenn sie sich in einer Wallet befinden, die das Unternehmen selbst kontrolliert. Für Treasury- und Zahlungsabteilungen entsteht daraus ein operatives Risiko, das neben Liquidität und Gegenparteien auch die Verfügbarkeit des verwendeten Stablecoins betrifft.

Brasilien-Ermittlungen und Onix im Hintergrund
Hintergrund ist laut Klage eine Untersuchung brasilianischer Behörden zu Onix Intermediações, einem anderen Unternehmen, das früher die Plattform von Conduit genutzt hatte. Conduit behauptet, die brasilianische Polizei habe bestätigt, dass die gesperrte Treasury-Wallet nicht zu den von ihr identifizierten Adressen gehörte. Das Unternehmen führt außerdem an, die Wallet sei erst nach der letzten Onix-Transaktion auf seiner Plattform erstellt worden und habe nie Gelder von Onix gehalten.
Diese Darstellung ist Teil der Vorwürfe und noch keine gerichtliche Feststellung. Die Klage umfasst sechs Ansprüche, darunter unrechtmäßige Inbesitznahme, ungerechtfertigte Bereicherung, Verletzung einer Treuepflicht und Computerbetrug. Der Streit berührt damit auch die Frage, wie Nutzer die Abhängigkeit von einem zentralen Stablecoin-Emittenten in ihre Verwahrungs- und Compliance-Prozesse einbeziehen müssen. Tether steht bereits im Zusammenhang mit USDT im Fokus regulatorischer und Compliance-Risiken.
Liquiditätsfolgen und offene Rechtsfrage
Conduit erklärt, der Entzug der Liquidität habe die Vorfinanzierung von Transaktionen erschwert. Die finanzielle Belastung habe das Unternehmen nach eigener Darstellung zudem zu Entlassungen und zur Schließung von Büros gezwungen. Die Klage verlangt die Freigabe der Wallet und mindestens 2,76 Mio. US-Dollar Schadenersatz.
Darüber hinaus fordert Conduit eine Abrechnung der Erträge, die Tether nach Ansicht des Unternehmens mit den Reserven hinter den eingefrorenen USDT erzielt habe, sowie die Herausgabe dieser Gewinne. Damit geht es nicht nur um die Rückgabe eines konkreten Guthabens: Strittig ist auch, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen ein Emittent seine technische Sperrfunktion einsetzen darf. Für professionelle Nutzer bleibt die praktische Konsequenz klar: Eigenständige Wallet-Kontrolle beseitigt das Emittentenrisiko bei zentral ausgegebenen Stablecoins nicht.