Jahrelanger XRP-Ledger-Fehler hätte Tokenlimit ausgehebelt
Ripple hat eine kritische Schwachstelle im XRP Ledger behoben, die eine unautorisierte Ausgabe von XRP über die feste Obergrenze hinaus hätte ermöglichen können. Der Patch wurde am 25. September mit der Server-Version xrpld 3.4.1 ausgeliefert; Untersuchungen ergaben laut den Berichten keine Hinweise auf eine Ausnutzung im öffentlichen Netzwerk.
Für XRP-Anleger ist damit vor allem die Integrität des auf 100 Milliarden Token begrenzten Angebots betroffen – nicht ein belegter unmittelbarer Kurs- oder Handelsmengeneffekt. Alle XRP wurden bei Entstehung des Netzwerks ausgegeben; die behobene Lücke hätte diese grundlegende Angebotsregel unter bestimmten Bedingungen unterlaufen können. Eine ausführliche Darstellung der kritischen XRP-Ledger-Schwachstelle zeigt, warum die technische Absicherung für das Ökosystem zentral ist.
Wie der Fehler zusätzliche XRP ermöglichen konnte
Der Fehler lag in der Payments Engine, die Transaktionen und Zahlungen im Ledger verarbeitet. Bei speziell konstruierten Handelsangeboten konnte sie die insgesamt geschuldeten Beträge falsch berechnen: Überschritt eine Summe die interne Zahlendarstellung, führte ein arithmetischer Überlauf zu einem zu kleinen berechneten Gesamtwert.
Dadurch hätten Verkäufer mehr XRP erhalten können, als der Käufer tatsächlich bezahlte. CoinDesk und Cointelegraph beschreiben einen möglichen Angriff über zahlreiche gezielt angelegte Angebote, die eine einzelne Zahlung zugleich ausführt. Die daraus entstehende Differenz hätte als spendbares XRP in Umlauf gelangen können, obwohl die Token zuvor nicht existierten.
Ripple-Entwickler testeten den Patch und stimmten schnelle Software-Upgrades mit Validator-Betreibern ab, bevor die Schwachstelle öffentlich bekannt gemacht wurde. Anders als bei Proof-of-Work-Netzwerken entstehen im XRP Ledger keine neuen Coins durch Mining: Validatoren verständigen sich darauf, welche Zahlungen gültig sind und in welcher Reihenfolge sie verarbeitet werden.
Eine langjährige Schwäche rückt die Sicherheitsarchitektur in den Fokus
J. Ayo Akinyele, Senior Director of Engineering bei RippleX, erklärte, der Fehler habe mehr als ein Jahrzehnt im Code bestanden. Die potenzielle Ausgabe zusätzlicher Token hätte damit eine Angebotsgrenze berührt, die seit dem Start des Ledgers gilt. Veria AI, ein System zur Erkennung von Sicherheitslücken des Unternehmens Veria Labs, half laut Bitcoin.com bei der Entdeckung über das Bug-Bounty-Programm des Netzwerks, das Forscher für gemeldete Schwachstellen belohnt.
Wie groß die mögliche Ausgabe im Extremfall hätte ausfallen können, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht verlässlich beziffern. Entscheidend ist der nachgewiesene Mechanismus: Unter bestimmten Bedingungen hätte die Berechnung eine zu geringe Zahlung registriert, während die Verkäufer ihre XRP erhalten hätten. Hinweise darauf, dass dieser Ablauf im öffentlichen Netzwerk tatsächlich ausgenutzt wurde, fanden die Untersucher nicht.
Ripple weitet Tests und formale Prüfungen aus
Ripple kündigte an, Bug-Bounty-Programme zu stärken, KI-gestützte Codesuche auszubauen und adversariales Testen einzusetzen. Dabei simulieren Sicherheitsteams gezielte Angriffe, um Fehler aufzudecken; ein internes Red Team übernimmt solche kontrollierten Prüfungen. Gemeinsam mit der XRPL Foundation und dem Blockchain-Forschungsunternehmen Common Prefix will Ripple zudem die formale Verifikation ausweiten – eine mathematische Prüfung, ob Software sich entsprechend festgelegter Regeln verhält.
In diese Arbeit sollen frühere Prüfungen des Lending Protocol und des Single Asset Vault einfließen. Zusätzlich wollen die Beteiligten grundlegende Annahmen zu Zahlungen, Transaktionsabstimmung und Kommunikation zwischen Servern erneut untersuchen. Der Vorfall führt damit nicht zu belegten Marktfolgen, erweitert aber den Sicherheitsfokus über den einzelnen Fehler hinaus.
Cointelegraph berichtet außerdem über Kritik am beschleunigten Patch-Verfahren: Die Veröffentlichung erfolgte außerhalb des üblichen Amendment-Prozesses, also des regulären Verfahrens für vom Validator-Netzwerk bestätigte Regeländerungen. Die XRPL Foundation verwies darauf, dass die Entscheidung gemeinsam mit RippleX, Kernentwicklern und Validatoren getroffen worden sei und kein einzelner Akteur sie allein habe durchsetzen können. Die Debatte betrifft damit neben der Sicherheit auch die Frage, wie Notfallmaßnahmen und dezentrale Entscheidungswege im Netzwerk zusammenpassen.