44.000 Bitcoin: Metaplanet baut Treasury trotz Test weiter aus
Metaplanet verkaufte im dritten Quartal 10.000 Bitcoin und kaufte anschließend 11.000 zurück. Der ungewöhnliche Roundtrip sollte nach Darstellung des Unternehmens Gläubigern zeigen, dass sich die BTC-Treasury bei Bedarf in Cash umwandeln lässt, und ließ den Bestand netto um 1.000 BTC steigen.
Zum 30. September hielt der japanische Konzern damit 44.000 BTC. Der Verkauf war laut dem Bericht von Bitcoin.com kein Rückzug aus Bitcoin, sondern ein praktischer Liquiditätstest – eingebettet in eine Treasury-Strategie, die künftig stärker auf Finanzierungsspielraum und wiederkehrende Erträge setzt.
Verkauf und Rückkauf: Der Bestand wuchs netto
Metaplanet veräußerte die 10.000 BTC für 789,5 Millionen US-Dollar beziehungsweise 124,7 Milliarden Yen und hielt den Erlös vorübergehend als Bargeld. Nach Angaben des Unternehmens überstieg dieser Betrag die ausstehenden Anleihen, Kredite und sonstigen verzinslichen Verbindlichkeiten, wenn vorhandenes Cash und Dollar-Stablecoins gegengerechnet werden.
Die Schulden wurden dabei nicht getilgt und blieben bestehen. Der Vorgang sollte vielmehr belegen, dass die Bitcoin-Reserve nicht nur bilanziell einen Wert darstellt, sondern bei Bedarf liquidiert werden kann, um Verpflichtungen abzudecken.
Später kaufte Metaplanet 11.000 BTC für 949 Millionen US-Dollar beziehungsweise 149,9 Milliarden Yen zurück. Der höhere Rückkaufbetrag spiegelt auch wider, dass der Bitcoin-Preis zwischen Verkauf und erneuter Akkumulation gestiegen war; die Transaktion ist daher nicht als einfacher Wechsel zwischen zwei gleich großen Cash- und BTC-Positionen zu lesen.

Unterm Strich kamen 1.000 BTC hinzu. Die Umstrukturierung hatte allerdings auch eine steuerliche Folge in den USA: Der Verkauf erzeugte einen steuerlichen Kapitalverlust. Metaplanet schätzt vorläufig, dass Tochtergesellschaften daraus einen latenten Steueranspruch von rund 97 Millionen US-Dollar ableiten könnten. Ob dieser bilanziell angesetzt werden darf, müssen die Wirtschaftsprüfer noch bestätigen.
Eine Bitcoin-Treasury mit strengeren Kapitalregeln
Der Liquiditätstest steht neben einer überarbeiteten Kapitalallokation. Bitcoin soll weiterhin rund 85 bis 90 Prozent der Gesamtaktiva ausmachen; für strategische Investitionen, Übernahmen, ertragsgenerierende Wertpapiere und Aktivitäten im Asset-Management sind 10 bis 15 Prozent vorgesehen. Damit bleibt BTC die dominante Reserve, während ein begrenzter Teil der Bilanz zusätzliche Erträge erwirtschaften soll.
Auch die Verschuldung soll begrenzt werden: Bitcoinbezogene Kredite will Metaplanet grundsätzlich unter 10 Prozent des Nettovermögenswerts seiner BTC halten. Bei Stammaktienemissionen sieht das Unternehmen eine selektive Vorgehensweise vor. Sie sollen grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn der mNAV über 1,0x liegt und das Management die Ausgabe als vorteilhaft für bestehende Aktionäre beurteilt.
mNAV bezeichnet hier das Verhältnis des Unternehmenswerts zum Marktwert der Bitcoin-Bestände. Eine Ausgabe von Aktien über dem Nettovermögenswert der BTC ist nicht automatisch wertsteigernd; entscheidend ist, ob zusätzliches Kapital pro Aktie mehr Wert schafft, als die Verwässerung kostet. Genau deshalb verknüpft Metaplanet die Kapitalregel mit einer Einschätzung des Managements, statt neue Stammaktien als uneingeschränkte Finanzierungsquelle zu behandeln.
Der Bestand ist laut dem Bericht von 30.823 BTC im Oktober 2025 auf 44.000 BTC zum Ende des dritten Quartals gestiegen. Das reiht Metaplanet in eine breitere Entwicklung börsennotierter Bitcoin-Treasuries ein: Auch Strategy baut seinen Bitcoin-Bestand durch Käufe aus, während Strive ebenfalls eine BTC-Treasury aufbaut. Metaplanets Besonderheit liegt hier nicht allein in der Akkumulation, sondern im Versuch, die Liquidierbarkeit der Reserve für Kreditgeber praktisch nachzuweisen.
Cashflow soll weitere Bitcoin-Käufe finanzieren
Der nächste strategische Baustein ist eine Net-Interest-Income-Strategie. Metaplanet will Finanzierungskosten mit Erträgen aus einkommensgenerierenden Anlagen verbinden und daraus wiederkehrenden Cashflow entwickeln. Dieser soll die Kreditqualität verbessern, den Finanzierungsspielraum erweitern und langfristig zusätzliche Bitcoin-Käufe ermöglichen.
Für Gläubiger ist der entscheidende Punkt, dass eine große BTC-Position nicht automatisch mit kurzfristig verfügbarer Liquidität gleichzusetzen ist. Der Roundtrip zeigt, dass Metaplanet einen erheblichen Bestand verkaufen und anschließend wieder aufbauen konnte; er belegt aber weder eine Rückzahlung der Verbindlichkeiten noch einen unmittelbaren Effekt auf den Bitcoin- oder Aktienkurs.
Kurzfristig wurde Bitcoin aus der Treasury verkauft, strukturell blieb es das dominante Reserveasset und der Bestand wuchs netto. Ob der Test den Zugang zu Anleihen, Vorzugsaktien und weiteren Finanzierungsformen tatsächlich verbreitert, wird sich erst an den künftigen Kapitalbeschaffungen zeigen. Ebenso offen ist, ob die Prüfer den möglichen latenten Steueranspruch von rund 97 Millionen US-Dollar anerkennen.
Metaplanets Plan verbindet damit weitere Akkumulation mit mehr permanentem Kapital, kontrollierter BTC-bezogener Verschuldung und Erträgen außerhalb der reinen Bitcoin-Reserve. Der Liquiditätstest ist ein Nachweis der operativen Umsetzbarkeit – noch kein Beleg dafür, dass die neue Finanzierungsarchitektur bereits dauerhaft trägt.