Bank of America: Kontrollausfälle verschärfen Krypto-Regeldebatte
Das US-Finanzministerium hat am 13. Oktober Sanktionen von mehr als 1,2 Milliarden Dollar gegen Bank of America angekündigt. Anlass sind verspätete Meldungen zu verdächtigen Transaktionen über mehr als 5 Milliarden Dollar – ein Fall, der die Forderung nach gleichen Geldwäschekontrollen für Banken und Kryptoanbieter auf die Probe stellt.
Die Bank hat laut den Behörden Verstöße gegen den Bank Secrecy Act eingeräumt. Die Summe von 5 Milliarden Dollar bezeichnet dabei verdächtige Transaktionen, die verspätet gemeldet wurden; sie ist kein Nachweis dafür, dass ein entsprechender Betrag tatsächlich gewaschen wurde. Mehr als 1 Milliarde Dollar davon betrafen prioritäre Risiken für illegale Finanzströme und die nationale Sicherheit.
Welche Mängel die Aufsicht festgestellt hat
Die Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN), die US-Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität, stellte Verstöße in drei Bereichen fest: beim Geldwäschebekämpfungsprogramm, bei der Prüfung ausländischer Korrespondenzkonten und bei der Einreichung von Verdachtsmeldungen. Zu den genannten Risikofeldern zählen chinesische Geldwäschenetzwerke und mutmaßliche handelsbasierte Geldwäsche nahe der Südwestgrenze.
Die Office of the Comptroller of the Currency (OCC), die US-Bankenaufsicht, verhängte eine zivilrechtliche Strafe von 750 Millionen Dollar. Nach Angaben der Behörde ist dies ihre bislang höchste Geldstrafe gegen eine Bank; sie ist in der Gesamtsumme von rund 1,2 Milliarden Dollar enthalten. Die zuständige Sanktionsbehörde OFAC meldete daneben einen Vergleich über 11,6 Millionen Dollar im Zusammenhang mit 475 mutmaßlichen Sanktionsverstößen.
Reuters berichtete, Bank of America werde die Sanktion als nicht steuerlich abzugsfähige Belastung von 1,2 Milliarden Dollar in den Ergebnissen des dritten Quartals ausweisen. Das entspreche nach Angaben der Bank einem Rückgang des Nettogewinns um etwa 17 Cent je Aktie. Die Ergebnisse waren für Mittwoch, den 14. Oktober, angekündigt.
Die Debatte über gleiche Regeln für Krypto
Der Fall trifft auf eine Debatte, die Brian Moynihan bereits bei einer Anhörung des Bankenausschusses im US-Senat am 6. Dezember 2023 führte. Senatorin Elizabeth Warren fragte den Bank-of-America-Chef, ob Kryptoanbieter, die Finanztransaktionen abwickeln, denselben Geldwäschepflichten wie Banken unterliegen sollten. Moynihan befürwortete laut CryptoSlate gleiche Anforderungen; er sitzt demnach im Vorstand des Bank Policy Institute und war dort Vorsitzender.
Die Aufsicht beanstandete jedoch auch bei der Bank erhebliche Defizite: Laut der OCC reichte die Transaktionsüberwachung nicht aus, um Risiken angemessen zu erkennen. Genannt wurden außerdem Schwächen bei Fachkenntnissen des Personals, Schulungen und Audits sowie bei der Umsetzung einer Anordnung aus dem Dezember 2024. Das US-Finanzministerium kritisierte, die Bank habe sich zu stark auf Hinweise von Strafverfolgern und anderen Instituten gestützt, statt verdächtige Aktivitäten vorwiegend über eigene Kontrollen zu erkennen. Ähnliche Fragen zu einheitlichen US-Regeln für Kryptoanbieter stehen damit erneut im Raum.
OCC-Chef Jonathan Gould beschrieb laut der Behörde weitreichende Kontrollausfälle bei der zweitgrößten US-Bank und verwies auf ein hohes, steigendes Risiko illegaler Finanzströme. Auf Branchenseite führte Figure-Manager Mike Cagney den Fall als Argument dafür an, dass die Kryptoindustrie KYC – die Prüfung von Kunden bei der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung – besser handhabe als US-Banken. Die festgestellten Mängel bei Bank of America betreffen allerdings auch die laufende Transaktionsüberwachung, Verdachtsmeldungen und Korrespondenzkonten; der Vergleich mit KYC allein bildet den Befund daher nicht ab.
Mehr Prüfpflichten für beide Sektoren?
CryptoSlate ordnet eine konsequentere Durchsetzung gleicher AML-Pflichten als mögliche politische Folge ein. Kryptoanbieter könnten dabei auf prüfbare On-Chain-Überwachung, Wallet-Screening und automatisierte Kontrollen verweisen. Zugleich könnten strengere Vorgaben die Compliance-Kosten in beiden Sektoren erhöhen und die Debatte über die Einbeziehung von Börsen, Verwahrern und Stablecoin-Vermittlern in den Bank Secrecy Act verschärfen.
Im Zentrum weiterer regulatorischer Auseinandersetzungen könnten DeFi, Wallets und sekundäre Stablecoin-Märkte stehen. Die Sanktion belegt jedoch keinen unmittelbaren Kurseffekt für digitale Vermögenswerte: Zunächst geht es um die Umsetzung der Auflagen und darum, ob die Bank ihre Kontrollsysteme wirksam verbessert. Die Aufsicht verlangt zudem eine unabhängige Prüfung früherer Transaktionen, um bislang nicht erkannte Verdachtsfälle aufzuspüren und an FinCEN zu melden.