US-Spot-Bitcoin-ETFs unter Druck: Oktoberbilanz im Minus

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US-Spot-Bitcoin-ETFs haben in zwei aufeinanderfolgenden Wochen netto 909,7 Millionen US-Dollar verloren. Der Nachfrageabfluss verschärft das negative Oktoberbild: Höhere Inflationswerte und neue Zinserhöhungserwartungen fielen zeitlich mit den Verkäufen zusammen, belegen aber keine eindeutige Ursache.

Die von Decrypt berichteten Daten zeigen für die jüngste Woche Nettoabflüsse von 228,6 Millionen US-Dollar, nach 681,1 Millionen US-Dollar in der Vorwoche. Zusammengerechnet ergibt das 909,7 Millionen US-Dollar; Decrypt rundet den Zweiwochenwert auf etwa 910 Millionen. Für institutionelle Marktteilnehmer ist das ein sichtbarer kurzfristiger Belastungsfaktor – aber noch kein Beleg dafür, dass sich die längerfristige Nachfrage strukturell umkehrt.

Uneinheitliche Tagesflüsse, klares Wochenminus

Die Verkaufsbewegung verlief nicht durchgehend: An drei von fünf Handelstagen überwogen die Abflüsse. Am Dienstag, dem 13. Oktober, flossen den Fonds noch 175,7 Millionen US-Dollar zu. Einen Tag später wurden 261,4 Millionen US-Dollar abgezogen – der stärkste Abflusstag der Woche.

Am Donnerstag, dem 15. Oktober, kehrten die Flows mit einem vergleichsweise kleinen Plus von 5,1 Millionen US-Dollar ins Positive zurück. Am Freitag, dem 16. Oktober, folgten erneut Abflüsse: 82,4 Millionen US-Dollar. Die Wochenbilanz blieb damit klar negativ, obwohl einzelne Handelstage Zuflüsse brachten. Die Angaben stützen sich auf Decrypts ETF-Tracker und Daten von SoSoValue.

Gerade diese Tagesfolge ist relevant: Ein positiver Handelstag reichte nicht aus, um die kräftigen Rücknahmen am Mittwoch und Freitag auszugleichen. Die Flows liefern damit einen konkreten Hinweis auf die kurzfristige Nachfrage nach dem regulierten Börsenzugang zu Bitcoin. Sie lassen für sich genommen jedoch nicht erkennen, ob Anleger ihre Positionen dauerhaft aufgeben oder nur zeitweise reduzieren.

Oktober im Minus, kumulierte Zuflüsse weiter hoch

Nach anfänglichen Zuflüssen von rund 293 Millionen US-Dollar stehen die Fonds im Oktober inzwischen mit etwa 615 Millionen US-Dollar im Minus. Der deutlichere Abwärtsimpuls setzte laut Decrypt am 7. Oktober ein: An diesem Tag wurden 484,9 Millionen US-Dollar abgezogen, der stärkste Tagesabfluss seit Juni. Die Monatsbilanz zeigt damit eine kräftige kurzfristige Verschlechterung, nicht jedoch automatisch einen vollständigen Bruch mit dem bisherigen Trend.

Seit ihrem Start im Januar 2024 summieren sich die kumulierten Nettozuflüsse der US-Spot-Bitcoin-ETFs laut Decrypt weiterhin auf 57,3 Milliarden US-Dollar. Diese börsengehandelten Fonds halten Bitcoin und ermöglichen Anlegern, über ein reguläres Brokerage-Konto an dessen Kursentwicklung teilzuhaben, ohne die Coins selbst kaufen und verwahren zu müssen. Die Produkte sind damit ein wichtiges Vehikel für institutionelle und beratungsbasierte Krypto-Exposure.

Auch beim gesamten Nettovermögen unterscheiden sich die ausgewiesenen Werte nach Datenquelle: SoSoValue beziffert es auf 104,29 Milliarden US-Dollar, während Decrypts Tracker 100,2 Milliarden nennt. Diese Differenz sollte nicht mit den Nettoabflüssen verwechselt werden. Flow-Daten messen die Zu- und Abgänge über einen Zeitraum; das Fondsvermögen wird zusätzlich von der Bitcoin-Bewertung beeinflusst.

Inflation, Zinsen und Liquidationen erhöhen den Druck

Der Abflusstag am Mittwoch fiel mit einem höher als erwarteten US-Inflationswert zusammen. Der Verbraucherpreisindex stieg im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent, während die Prognose bei 3,6 Prozent gelegen hatte. Am Donnerstag folgte ein höher als erwartet ausgefallener Produzentenpreiswert, der laut Decrypt die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank belebte. Das zeitliche Zusammentreffen liefert einen makroökonomischen Kontext, aber keinen Nachweis, dass die Daten allein die ETF-Verkäufe ausgelöst haben.

Höhere Zinsen können US-Staatsanleihen attraktiver machen, die Finanzierung verteuern und den Dollar stützen. Das erschwert die Positionierung in riskanteren Anlagen und kann gehebelte Marktteilnehmer zusätzlich unter Druck setzen. Ein ähnlicher Zusammenhang zwischen Zinssorgen und ETF-Verkäufen stand bereits bei früheren Bitcoin-Marktbewegungen im Mittelpunkt; die Zinssorgen und ETF-Abflüsse bleiben daher ein relevanter Kontext für die aktuelle Flow-Entwicklung.

Bitcoin fiel am Donnerstag kurzzeitig unter 80.000 US-Dollar. Innerhalb von 24 Stunden wurden nahezu 950 Millionen US-Dollar an gehebelten Krypto-Positionen liquidiert; rund 90 Prozent davon entfielen laut CoinGlass auf Long-Positionen, die auf steigende Kurse gesetzt hatten. Zum Wochenschluss am Freitag lag Bitcoin nahe 81.590 US-Dollar, gegenüber etwa 82.337 US-Dollar eine Woche zuvor.

Ein orangefarbenes Bitcoin-Symbol vor einem vernetzten Hintergrund.
Bitcoin-Symbol als Repräsentation der digitalen Währung – Foto: PerfectHue / CC0

Der Rückgang drückte den Kurs außerdem unter die geschätzte durchschnittliche Kostenbasis der ETF-Halter von nahe 82.300 US-Dollar. Diese Schätzung ordnete Nexo-Analyst Iliya Kalchev ein. Eine Kostenbasis unterhalb des aktuellen Kurses kann für betroffene Halter bedeuten, dass Positionen im Verlust liegen; sie sagt allein jedoch nicht aus, ob daraus weitere Verkäufe folgen.

Für die nächsten Handelstage zählen daher vor allem die täglichen und wöchentlichen ETF-Flows sowie neue Inflationsdaten und geldpolitische Signale. Auch Ethereum- und Solana-ETFs lagen im Oktober laut Decrypt im Minus, konkrete Monatsbeträge nennt der Bericht dafür nicht. Entscheidend ist, ob sich die negativen Bitcoin-Flows fortsetzen oder sich die Nachfrage bei einer Beruhigung der Zins- und Inflationssorgen stabilisiert – die nächste Wochenbilanz wird dafür ein wichtiger Datenpunkt.

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